Warum schließen sich ein Lebensmitteleinzelhändler und eine Umweltschutzorganisation zusammen? Um Lieferketten resilienter aufzustellen und den effizienten Umgang mit Ressourcen entlang der Wertschöpfungskette voranzutreiben.
Gemeinsam mit dem WWF-Netzwerk, verantwortlich koordiniert durch den WWF Schweiz, bündeln wir unsere Expertise, um zentrale ökologische Herausforderungen anzugehen, indem wir uns auf folgende Schwerpunkte konzentrieren:
Klima
Der Klimawandel ist eine globale Herausforderung und wir sind uns unserer Verantwortung bewusst. Deshalb machen wir den Klimaschutz zu einer Priorität in unserer Partnerschaft mit dem WWF-Netzwerk*. Wir haben uns verpflichtet, unsere Emissionen im Einklang mit den Zielen der Science Based Targets initiative (SBTi) zu reduzieren. Darüber hinaus entwickeln und erproben wir gemeinsam ein Konzept für eine klima- und naturbasierte Finanzierung auf Basis unserer verbleibenden Emissionen. Dieser Finanzierungsansatz soll zusätzlich positive Wirkungen für Biodiversität und Wasser ermöglichen und gleichzeitig soziale Schutzmaßnahmen respektieren. Der Finanzierungsplan wird mit entsprechenden Naturschutzprojekten verknüpft.
Biodiversität
Gemeinsam mit dem WWF-Netzwerk* überprüfen wir unsere bestehenden Analysen und Ziele in Bezug auf naturbedingte Risiken. Basierend darauf wollen wir eine umfassendere Biodiversitätsstrategie entwickeln. Dies wird es uns ermöglichen, Risiken für die biologische Vielfalt, wie Entwaldung und Artensterben, innerhalb unserer Wertschöpfungskette zu identifizieren und anzugehen. Wir werden uns darauf konzentrieren, besonders risikoreiche Wertschöpfungsketten und Regionen zu identifizieren und Wege zu finden, deren Resilienz mithilfe des WWF Biodiversity Risk Filter zu erhöhen. Für diese Bereiche werden wir spezifische Umsetzungspläne entwickeln.
Wasser
Mithilfe des WWF Water Risk Filter überarbeiten wir unsere Analysen und Ziele in Bezug auf Süßwasserrisiken, um eine umfassendere Strategie für den Umgang mit Wasserrisiken zu erstellen. In Zusammenarbeit mit dem WWF-Netzwerk* identifizieren und adressieren wir Wasserrisiken in unserer Wertschöpfungskette. Dies ist besonders wichtig für Hochrisikoprodukte wie Kaffee, Obst und Gemüse, bei denen wir Maßnahmen zur Verringerung von Risiken durch Wasserverunreinigung oder -knappheit entwickeln und umsetzen wollen. Im Rahmen unserer internationalen Partnerschaft werden wir die in unserer Wertschöpfungskette identifizierten Risiken und die Maßnahmen, die wir zur Verringerung der Umweltauswirkungen ergreifen, offenlegen.
Rohstoffe
In unserer internationalen Partnerschaft mit dem WWF-Netzwerk, verantwortlich koordiniert durch den WWF Schweiz, analysieren und steuern wir die internationale Beschaffung definierter Rohstoffe. Unser Fokus liegt auf dem systematischen Aufbau rückverfolgbarer, entwaldungs- und umwandlungsfreier Lieferketten. Die folgenden Ziele gelten für unsere Eigenmarkenprodukte (Standard- und Aktionssortiment) in allen Lidl-Ländern, in denen die internationale Partnerschaft mit dem WWF aktiv ist.
Entwaldungs- und umwandlungsfreie Rohstoffbeschaffung
Wir beziehen Risikorohstoffe – wie Soja, Palmöl, Kakao, Kaffee, Rindfleisch, Holz, Zellstoff und Papier – zunehmend aus entwaldungs- und umwandlungsfreien Lieferketten und steuern unsere Rohstoffstrategie aktiv, um Risiken für unsere Eigenmarkenprodukte zu adressieren. Dieser Ansatz setzt die Anforderungen der kommenden EU-Entwaldungsverordnung konsequent um und steht im Einklang mit der Accountability Framework Initiative (AFI).
Wir und unsere Lieferanten arbeiten nach den verbindlichen Vorgaben und Stichtagen der AFI und der EU-Entwaldungsverordnung.* Dies gilt für die Risikorohstoffe Soja, Palmöl, Kakao, Kaffee, Rindfleisch, Holz, Zellstoff und Papier.
Rückverfolgbarkeit und Lieferantenengagement
Wir verpflichten alle bestehenden und neuen Lieferanten, bis zum Ende des Geschäftsjahres 2026 eine Richtlinie zu verabschieden, die sicherstellt, dass ihre Betriebe frei von Entwaldung, Landumwandlung und Ausbeutung - gemäß den Leitlinien der Accountability Framework Initiative (AFI) sowie dem Anwendungsbereich der EU-Entwaldungsverordnung) - sind.
Spezifische Maßnahmen in den Rohstofflieferketten
- Tee
100%** unserer Eigenmarken-Tees (Schwarz-, Grün- und Rooibostee) stammen aus zertifiziertem Anbau. Das heißt, dass dieser Tee die Kriterien anerkannter Zertifizierer wie EU Bio, Rainforest Alliance oder Fairtrade erfüllt. Zu diesen Kriterien gehören zum Beispiel:- EU-Bio: 100%iger Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel zur Schonung von Böden und Gewässern.
- Rainforest Alliance: Schützt bestehende Wälder vor der Umwandlung in Anbauflächen und bewahrt so den natürlichen Lebensraum der heimischen Tier- und Pflanzenwelt.
- Fairtrade: Sichert Teebauern Mindestpreise sowie Teepflückern faire Löhne und bessere Arbeitsbedingungen zu.
- Kaffee
Bis zum Ende des Geschäftsjahres 2028 stellen wir alle Eigenmarken-Kaffeeprodukte (inkl. Kapseln, Instantkaffee und Cappuccino) auf anerkannte Zertifizierungen um. Zudem steigern wir den Anteil zertifizierten Röstkaffees kontinuierlich auf 100%. Als Mindeststandard akzeptieren wir EU-Bio, Rainforest Alliance oder Fairtrade. - Soja
Im Rahmen der Partnerschaft setzen wir uns für die Schaffung vollständig rückverfolgbarer Soja-Lieferketten ein, die frei von Entwaldung, Umwandlung und Ausbeutung - gemäß den Leitlinien der Accountability Framework Initiative (AFI) sowie dem Anwendungsbereich der EU-Entwaldungsverordnung - sind. Um dies zu erreichen, werden wir die Herkunft des Sojas, das direkt in unserer Lieferkette (alternative Proteine und Sojaprodukte) sowie im Futtermittel ausgewählter tierischer Produkte wie Huhn, Eier und Schwein verwendet wird, gründlich prüfen. Diese Analyse wird uns helfen, Handlungsfelder zu identifizieren. Darüber hinaus werden wir mit der Collaboration for Forests and Agriculture (CFA) zusammenarbeiten, um Probleme in Bezug auf Entwaldung, Landumwandlung und Ausbeutung innerhalb unserer eigenen Soja-Lieferketten zu bewerten und anzugehen. - Palm(kern)öl
Seit Beginn des Geschäftsjahres 2025 beziehen wir nur noch rückverfolgbares Palm- und Palmkernöl, das frei von Entwaldung, Landumwandlung und Ausbeutung - gemäß den Leitlinien der Accountability Framework Initiative (AFI) sowie dem Anwendungsbereich der EU-Entwaldungsverordnung - ist. Um dies zu gewährleisten, müssen 100% unseres in Lebensmitteln und Non-Food-Produkten verwendeten Palm- und Palmkernöls den Standards "RSPO Segregated" oder "EU-Bio" entsprechen. Darüber hinaus sollten 100% der Derivate mindestens dem "RSPO Mass Balance"-Standard entsprechen, wobei wir uns dazu verpflichten, auf eine Segregierung hinzuarbeiten. - Zellstoff und Papier
Wir arbeiten darauf hin, rückverfolgbare, entwaldungs-, umwandlungs- und ausbeutungsfreie Papier- und Zellstoffprodukte auf internationaler Ebene zu beziehen. Zu diesem Zweck werden wir die Qualität und Herkunft von Papier- und Zellstoffprodukten analysieren. Diese Analyse soll uns helfen, eine langfristige Strategie zur Rückverfolgbarkeit von Papier- und Zellstoffprodukten zu entwickeln. Dies umfasst Zellstoff und Papier in unseren Eigenmarkenprodukten, deren Etiketten und Verpackungen in allen Lidl-Ländern, in denen die WWF-Partnerschaft gilt. Akzeptiert werden die Standards FSC, FSC Mix und Recycling. - Kakao
Wir streben die vollständige Rückverfolgbarkeit unseres Kakaos bis Ende 2027 an. Dazu erhöhen wir schrittweise den Anteil unabhängig zertifizierter Rohware in unseren Eigenmarken. Als Mindeststandard gelten EU-Bio, Rainforest Alliance oder Fairtrade.
Im ersten Schritt erstellen wir derzeit ein umfassendes Mapping unserer Lieferketten. Darauf aufbauend entwickeln wir bis Februar 2027 eine maßgeschneiderte Strategie sowie einen konkreten Aktionsplan und rollen diese schrittweise aus.
*Jeder Standard definiert einen Stichtag, der den Zeitpunkt markiert, nach dem die Entwaldung für den Anbau von Rohstoffen an einem bestimmten Ort verboten ist. Diese Daten variieren je nach Standard.
**Die Zertifizierungszahlen beziehen sich auf das Geschäftsjahr 2024.
Bewusste Ernährung
Im Rahmen unserer Partnerschaft mit dem WWF-Netzwerk* verstärken wir unser Engagement für eine pflanzenbasierte Ernährung, wie sie von der Planetary Health Diet empfohlen wird. Unser Ziel ist es, den anteiligen Verkauf pflanzlicher Produkte in unserem Sortiment bis 2030 um 20% zu erhöhen (im Vergleich zu 2023). Wir erfassen regelmäßig das Verhältnis von pflanzlichen zu tierischen Proteinquellen nach der anerkannten WWF-Methodik. Dies gilt für unsere Eigen- und Fremdmarken, im Standard- und Aktionssortiment bei Lidl in Deutschland.
Fische und Meeresfrüchte
Für nachverfolgbaren Fisch und Meeresfrüchte streben wir nach mehr Fokus auf Transparenz, Rückverfolgbarkeit und die Nutzung anerkannter Siegel wie MSC, ASC, Bio, BAP4 Star und GLOBALG.A.P. Unsere Ziele gelten für unsere Eigenmarkenprodukte im Fisch- und Meeresfrüchtesortiment in allen Lidl Ländern, in denen die WWF Partnerschaft gilt. Wir wollen sicherstellen, dass bis Februar 2028 100 Prozent unseres Fisch- und Meeresfrüchtesortiments aus Quellen stammen, die der WWF als empfohlen oder akzeptabel einstuft. Um dies zu unterstützen, sollten Produkte Informationen über das Produktionsland, die Art und die Fang- oder Aufzuchtmethode enthalten und durch vollständig rückverfolgbare Lieferketten gestützt werden.
Reduktion von Lebensmittelverschwendung
Wir reduzieren Lebensmittelabfälle in unseren Filialen und Logistikzentren kontinuierlich. Wir konzentrieren uns auf die Vermeidung von Abfällen und die bestmögliche Nutzung nicht verkaufter Lebensmittel, zum Beispiel durch Spenden. Auch bei der Produktion entstehen häufig Nebenprodukte, die zu Lebensmittelabfällen führen. Wir wollen daher gezielt Produktionsprozesse – insbesondere bei unseren Eigenmarken – analysieren und Maßnahmen zur Reduzierung vermeidbarer Verluste entwickeln.
Politik & Advocacy
Durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikation und Bildungsprogramme setzen sich die Lidl Stiftung und das WWF-Netzwerk* gemeinsam, unter anderem für transparente Beschaffungspraktiken im Lebensmitteleinzelhandel und der Gesellschaft ein. Als Teil dieser Bemühungen entwickeln wir Maßnahmen zum konstruktiven Dialog mit wichtigen Stakeholdern. Unsere Maßnahmen konzentrieren sich auf die Reduzierung von Treibhausgasemissionen sowie den Umgang mit Risiken für Wasser und Biodiversität. Um diese Ziele zu erreichen, ist es entscheidend, dass wir die gemeinsamen Expertisen und Erfahrungswerte nutzen, um diese Themen auf Branchenebene voranzutreiben.
Die detaillierten Partnerschaftsziele und die geplanten Maßnahmen zur Reduktion der Umweltauswirkungen entlang unserer Lieferketten sind im Partnerschaftsbericht zu finden:
*Zusammenarbeit mit dem internationalen WWF-Netzwerk, verantwortlich koordiniert durch den WWF Schweiz