Lidl steht als Einzelhändler am Ende oft komplexer, nationaler oder internationaler Lieferketten. Damit entstehen entlang der gesamten Wertschöpfungskette der von uns verkauften Produkte soziale und ökologische Sorgfaltspflichten. Schwerpunkte setzen wir dabei dort, wo unsere größten Auswirkungen und Risiken liegen. Möglichst von Beginn des Herstellungsprozesses an wollen wir die Produktionsbedingungen bei unseren Lieferanten so wirksam verbessern, dass die Lebensqualität und Umwelt so wenig wie möglich beeinträchtigt werden. Wie Lidl zur Lösung der großen menschenrechtlichen und ökologischen Herausforderungen in globalen Lieferketten beitragen will, ist im Positionspapier zur unternehmerischen Sorgfaltspflicht beschrieben. 

Unternehmerische Verantwortung

Mitgliedschaften in Organisationen, die Überprüfungen vor Ort durchführen, sind ein zusätzliches Instrument, um unsere Menschenrechtsstandards in der Lieferkette aufrechtzuerhalten. Nur in Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Organisationen, Experten und weiteren Unternehmen können wir wirksame und langfristige Verbesserungen in den Lieferketten erzielen. Deshalb vernetzen wir uns mit relevanten Akteuren, gehen Multi-Stakeholder-Partnerschaften ein oder beteiligen uns an bereits bestehenden Initiativen und schaffen Transparenz in der Lieferkette. 

Verbesserung der Arbeitssicherheit

Um die Arbeitssicherheit in der Lieferkette zu verbessern, ist Lidl Mitglied im Bangladesh Accord on Fire and Building Safety 2013 – 2018 sowie einer der ersten Unterzeichner des Folgeabkommens, gültig von 2018 bis 2021. Ziel der Vereinbarung ist es, die Arbeitnehmer durch Infrastruktur- und Trainingsmaßnahmen aktiv in Brandschutz- und Arbeitssicherheitsmaßnahmen einzubeziehen und diese kontinuierlich zu verbessern. Rund 1,8 Millionen Arbeiter nahmen seit 2012 an den Trainings teil. Zudem wurden über 1.600 Textilfabriken in Bangladesch auf ihre Standards bei Brandschutz und Gebäudesicherheit hin geprüft und Verbesserungsmaßnahmen definiert und umgesetzt. Mehr als 90 Prozent der für Lidl produzierenden Hersteller haben dadurch überdurchschnittliche Fortschritte erzielt.

Action, Collabortion, Transformation

Als erster deutscher Lebensmittelhändler hat sich Lidl der Initiative „Action, Collaboration, Transformation“ (ACT) angeschlossen. ACT ist das erste globale Übereinkommen, das Flächentarifverträge für die Textilindustrie in Produktionsländern anstrebt. Die in diesem Rahmen ausgehandelten Löhne werden durch verantwortungsvolle
Einkaufspraktiken der teilnehmenden Unternehmen sowie verbindliche Zusagen zu Einkaufsvolumina unterstützt. Zudem hat ACT einen Mechanismus geschaffen, durch den die Wirkung der Initiative evaluiert werden kann. Dabei beurteilen Textilhersteller und Arbeitnehmervertreter, ob tatsächlich höhere Löhne durchgesetzt werden können. Fokusländer von ACT sind derzeit Kambodscha, Myanmar, Bangladesch und die Türkei. Perspektivisch wird die Initiative auf weitere Länder ausgeweitet.

„Die Beteiligung von Unternehmen wie Lidl ist besonders wichtig, da Lidl ein hohes Bezugsvolumen und großen Einfluss auf Zulieferer in Asien hat. ACT Mitglieder wollen gemeinsam durch verbesserte Einkaufspraktiken das Menschenrecht auf existenzsichernde Löhne in der Bekleidungsindustrie durchsetzen und den notwendigen Wandel einer Industrie anstreben, deren Veränderung schon seit langem überfällig ist.“
Frank Hoffer, Executive Director ACT 
 

Für international anerkannte Sozialstandards

Seit 2007 ist Lidl über den europäischen Außenhandelsverband Mitglied in der Gemeinschaftsinitiative amfori Business Social Compliance Initiative (BSCI). Mit rund 2.400 weiteren Mitgliedern machen wir uns dort dafür stark, dass international anerkannte Sozialstandards in der Lieferkette umgesetzt werden, darunter die Vermeidung von Kinder- und Zwangsarbeit. Dazu lassen wir bei allen direkten Produzenten von Textileigenmarken in außereuropäischen Ländern jährlich unabhängige Kontrollen durchführen. So wurden 2019 in sogenannten Risikoländern insgesamt 4.493 unangekündigte Audits nach amfori-BSCI-Standards von landessprachlichen und qualifizierten Prüfern ausgeführt. Neue Lieferanten aus Risikoländern im Non-Food-Bereich, die nach Einschätzungen von Stakeholdern oder aufgrund von Prüfindices – etwa des BSCI Country Risk Index und des Global Rights Index – ein erhöhtes Risiko darstellen, überprüft Lidl vor der Aufnahme der Geschäftsbeziehung anhand von BSCI-Audits oder des SA8000-Zertifikats des internationalen Standard for Social Accountability.

Bündnis für nachhaltige Textilien

Lidl hat als Mitglied das Bündnis für nachhaltige Textilien von Anfang an begleitet und seine Entstehung aktiv unterstützt. Das Bündnis für nachhaltige Textilien ist eine Multi-Akteurs-Partnerschaft mit rund 190 Partnern aus Wirtschaft, Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften, Standardorganisationen und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit.
Die Ziele des Bündnisses sind soziale, ökologische und ökonomische Verbesserungen entlang der gesamten Textil-Lieferkette. Ein Aktionsplan des Textilbündnisses mit gemeinsamen Umsetzungsanforderungen und Indikatoren bildet dabei die Arbeitsgrundlage für eine kontinuierliche Verbesserung der gesamten Textil-Lieferkette.
Die Mitgliedschaft im Bündnis für nachhaltige Textilien ist Teil unseres Selbstverständnisses, dass für eine dauerhafte Umsetzung von Sozial- und Umweltstandards vor Ort ein sektorales Engagement aller nationalen und internationalen Akteure unabdingbar ist. Für die inhaltliche Weiterentwicklung bringt sich Lidl daher aktiv mit seiner Expertise in mehrere Arbeitsgemeinschaften des Bündnisses ein.
 

Zusammenarbeit für fairen Handel

Als Einzelhandelsunternehmen stehen wir oft am Ende komplexer Lieferketten. Doch soziale und ökologische Defizite entstehen häufig an deren Anfang, etwa im landwirtschaftlichen Anbau auf dem Feld. Als Gegenmaßnahmen haben internationale Organisationen wie Fairtrade Standards definiert, denen wir uns anschließen. Durch den Einsatz zertifizierter Rohstoffe für unsere Produkte – zum Beispiel Kakao – kann sichergestellt werden, dass höhere Standards am Ursprung der Lieferkette umgesetzt werden.

Lidl und der "Grüne Knopf"

Im Sommer 2019 haben wir den umfangreichen Produkt- und Unternehmensprüfungsprozess zum „Grünen Knopf“ erfolgreich durchlaufen. Unter Berücksichtigung der Produktionsvorläufe werden wir Textilien wie beispielsweise Baby-Kleidungsstücke der Eigenmarke „lupilu“ oder Bettwäsche der Eigenmarke „meradiso“ durch den „Grünen Knopf“ zertifizieren lassen und das Siegel auf den Produktverpackungen abbilden.

Damit dokumentieren und unterstreichen wir sowohl die nachhaltige Qualität ausgewählter Produkte als auch die Tatsache, dass wir unseren unternehmerischen Sorgfaltspflichten bei Sozial- und Umweltstandards in der Lieferkette nachkommen. Mit der Verwendung des Siegels bieten wir eine klare Orientierung für den Verbraucher, damit nachhaltigere Kaufentscheidungen getroffen werden können. Mehr Informationen finden sich im "Grüner Knopf Erklärfilm".

Lidl und Topmodel Barbara Meier haben im Sommer 2020 gemeinsam eine „Mini-Me“-Kollektion entwickelt.  Alle Teile sind nach den Standards des „Grünen Knopf“ hergestellt

Gemeinsam gegen Kinderarbeit

Lidl will seine globalen Lieferketten menschenrechtskonform und somit frei von Kinderarbeit gestalten. Dieser Grundsatz, festgehalten im Lidl-Code of Conduct, bildet die Basis für die Partnerschaft mit Save the Children. Die Nichtregierungsorganisation schult im Auftrag von Lidl Lieferanten beim Thema Prävention von Kinderarbeit in Produzentenländern. Hintergrund der Partnerschaft war der Wunsch, über unser bestehendes Monitoring hinaus bei unseren Lieferanten den Blick für das Thema Kinderarbeit zu schärfen, damit vor Ort systematisch Gegenmaßnahmen ergriffen werden können. Zunächst haben wir gemeinsam mit Save the Children unser Sortiment analysiert und darauf aufbauend ein Schulungs-Pilotprojekt gestartet. Von Oktober 2017 bis Januar 2019 haben wir etwa 680 Teilnehmer geschult – in der Regel Fabrikmanager, leitende Angestellte und Personalverantwortliche, aber auch Auditoren. Geplant ist, alle strategischen Textillieferanten von Lidl zum Thema Kinderarbeitsprävention zu schulen. Dabei gehen wir Land für Land vor. Angefangen haben wir in Bangladesch, gefolgt von der Türkei, Myanmar und zuletzt China. 2020 wird das Programm auf Pakistan und Vietnam ausgeweitet.

Umweltstandards in der Lieferkette

Lidl ist auch ein führender Textileinzelhändler in Deutschland, sodass wir vor allem bei unseren Eigenmarken für Textilprodukte und Schuhe unseren Einfluss geltend machen und negative Umweltauswirkungen in der Lieferkette reduzieren können. Branchenüblich werden rund 80 Prozent dieser Produkte in Bangladesch und China gefertigt. Deshalb legen wir den Schwerpunkt unserer Maßnahmen in diese Länder, um soziale und Umweltrisiken zu kontrollieren. Sogenannte Nassprozessbetriebe stehen dabei im Fokus, da das Färben und Waschen von Textilien besonders schädlich für die Umwelt sein kann.