Tierwohlstandards

Eier, Molkereiprodukte, Fleisch und Wurst sind für viele Menschen ein wichtiger Bestandteil der Ernährung. Die Erzeugung dieser Produkte ist ein großer Wirtschaftszweig in Deutschland und wesentlicher Teil unseres Sortiments. Wir wollen den Tierschutz in der landwirtschaftlichen Tierhaltung verbessern und damit auch den Erwartungen unserer Kunden gerecht werden, die zunehmend auf den Ursprung und die Produktionsbedingungen ihrer Lebensmittel achten. Durch die Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten haben wir Einfluss darauf, wie die Tiere gehalten, behandelt und gefüttert werden. Wir wollen diesen Einfluss in positiver Weise nutzen und die Standards branchenweit weiter verbessern. Dazu haben wir in unserem Positionspapier für den nachhaltigeren Einkauf tierischer Erzeugnisse Vorgaben festgelegt, Ziele formuliert und konkrete Maßnahmen beschrieben. 

Artgerechte Haltung

Lidl engagiert sich für eine Erhöhung der Tierschutzstandards. Dieses Bekenntnis spiegelt sich in unserem Engagement in der Initiative Tierwohl und in unseren Dialogen mit der Branche und der Politik. Im Rahmen von NGO-Dialogen nehmen wir Tierschutzthemen frühzeitig auf. Gleichzeitig unterstützen wir anerkannte Organisationen wie den Deutschen Tierschutzbund, das Aquaculture Stewardship Council (ASC) oder das Marine Stewardship Council (MSC). Im Sortiment werden die Produkte entsprechend gelabelt, um unseren Kunden eine bewusste Kaufentscheidung zu ermöglichen. So wollen wir langfristig den Tierschutz und das Tierwohl in der gesamten Branche heben. Im Rahmen unseres Dialogs mit dem Verein QM-Milch arbeiten wir gemeinsam mit weiteren Handelspartnern für höhere und verbindliche Tierwohlstandards. Wir engagieren uns im Initiativkreis Milchviehhaltung, der von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt initiiert wurde. Die von mehreren Tierschutzorganisationen verfassten „Prioritäten zur Erhöhung des Tierschutzniveaus in der Milchkuhhaltung“ liegen uns vor und wir wirken auf Verbesserungen in der Haltung aktiv hin.

Für Geflügel wenden wir ausschließlich geprüfte Tierschutzstandards an, die weit über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen. Um diese Standards so fundiert wie möglich zu gestalten, haben wir mit Wissenschaftlern und Tierschutzexperten zusammengearbeitet.

Tiergesundheits-Standards

Als Gründungsmitglied der Initiative Tierwohl (ITW) haben wir ehrgeizige Ziele. In der Initiative setzen sich Unternehmen und Verbände aus Land- und Fleischwirtschaft sowie Lebensmitteleinzelhandel dafür ein, die Fleischerzeugung tiergerechter und nachhaltiger zu gestalten. Das freiwillige Aktionsbündnis vereint Akteure der gesamten Wertschöpfungskette in der Schweine- und Geflügelfleischbranche. Unter dem Motto „Gemeinsam verantwortlich handeln“ gilt es, das Tierwohl von Nutztieren in Deutschland aktiv und flächendeckend zu verbessern. Wir betrachten Tiergesundheit als Grundlage für Tierwohl und wollen diese systematisch verbessern. Zudem unterstützen wir 2021 die Landwirte der Initiative Tierwohl mit über 50 Millionen Euro.

Im Rahmen der ITW wurde verbindlich verabschiedet, ein Tiergesundheits- und Antibiotika-Monitoring am Schlachthof für Schwein und Geflügel in die Kriterien der Haltungsformen aufzunehmen. Für Rind erfolgt die Einführung des Monitorings 2020 und es wird ab 2023 für alle Betriebe verpflichtend. Lidl sieht in diesem Verfahren eine gute Möglichkeit, die Tiergesundheit in der Breite zu verbessern, und wir arbeiten aktiv mit unseren Partnern an der Weiterentwicklung der Systeme. Der präventive Einsatz von Antibiotika ist grundsätzlich verboten und die Gabe von Antibiotika darf ausschließlich von Tierärzten zu therapeutischen Zwecken vorgenommen werden. Homöopathische Behandlungsmethoden sollen in den Vordergrund rücken und der Einsatz von Wachstumshormonen ist den Lieferanten von Lidl untersagt. Die Einhaltung dieser Vorgabe wird von externen Auditoren regelmäßig überprüft.

Auch im Bereich Legehennen sind wir mit entsprechenden Maßnahmen engagiert. Seit Ende 2017 bieten wir ausschließlich Eier von Legehennen ohne gekürzte Schnäbel an. Wir wollen Haltungsbedingungen ermöglichen, die Verhaltensstörungen wie Federpicken und Kannibalismus entgegenwirken. Die Bereitstellung von Strohballen und Sitzstangen sowie die Integration von Picksteinen fallen beispielsweise darunter. Außerdem bedarf es besserer Haltungsstandards, die verpflichtend in der Branche umgesetzt und in den KAT-Leitfaden aufgenommen werden müssen. Für die Junghennenaufzucht konnten wir nach intensiven Gesprächen die Empfehlungen des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) umsetzen und insbesondere die Platzbedarfe der Junghennen bis 2024 auf ein zufriedenstellendes Maß anheben. Seit Juni 2018 realisiert Lidl unter der Marke Kükenherz die Aufzucht männlicher Küken. In derzeit drei Regionen bieten wir in rund 250 Filialen Freilandeier an, bei denen wir die Aufzucht männlicher Küken sicherstellen. Das Fleisch der Hähne vermarkten wir ebenfalls in unserem Sortiment. In Abhängigkeit der Nachfrage wird Lidl Deutschland das Projekt ausweiten.

Gentechnikfreie Fütterung

Das Logo des Verbandes VLOG

Das Siegel „Ohne Gentechnik“ wurde 2009 vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz eingeführt. Lebensmittel, die damit gekennzeichnet sind, müssen hohe Anforderungen erfüllen und dürfen nachweislich keine gentechnisch veränderten Bestandteile haben. Das Siegel wird von dem Verband Lebensmittel ohne Gentechnik e.V. (VLOG) vergeben.

Bereits seit 2002 bietet Lidl bundesweit Frischgeflügel an, das aus gentechnikfreier Fütterung stammt. 2011 folgte die bundesweite Umstellung des Sortiments für frische Eier auf gentechnikfreie Produkte. Im Juli 2015 führte Lidl in allen bayerischen Filialen Frischmilch und H-Milch der Eigenmarken „Milbona“ und „Ein gutes Stück Bayern“ als erste Produkte mit der Zertifizierung „Ohne Gentechnik“ zur Verbraucherorientierung ein. Was sich bisher regional bewährt hat, ist inzwischen auch auf nationaler Ebene umgesetzt. Seit Juli 2016 wird Frischmilch der Eigenmarke „Milbona“ bundesweit nur noch gentechnikfrei angeboten. Neben der Milch hat Lidl bundesweit bereits weitere Milchartikel seiner Eigenmarken umgestellt - darunter Naturjoghurt, Kaffeesahne und Käseprodukte wie Emmentaler Scheiben. In einem weiteren Schritt baut Lidl seit 2017 sein regionales und „Ohne Gentechnik“-zertifiziertes Frischfleischsortiment für Schwein und Rind mit dem Ziel einer nationalen Ausweitung aus. 

Zusammenarbeit mit dem Deutschen Tierschutzbund

das Zwei-Sterne-Label des deutschen Tierschutzbundes

Als einer der ersten Lebensmitteleinzelhändler in Deutschland hat Lidl bereits seit Start des Tierschutzlabels "Für Mehr Tierschutz" im Jahr 2013 mit dem "Ganzen Hähnchen" der Eigenmarke "Landjunker" ein nach den Richtlinien des Deutschen Tierschutzbundes zertifiziertes Produkt im Sortiment. Das Tierschutzlabel nutzt Tieren wie Verbrauchern. Die Milchkühe z. B. leben unter verbesserten Bedingungen, und die Kunden können bewusst regionale Tierhaltung unterstützen. Die teilnehmenden Landwirte verpflichteten sich von Anfang an, die Milchkühe gentechnikfrei zu füttern und tiergerecht mit großzügigem Platzangebot im Laufstall, regelmäßiger Klauenpflege sowie ganzjährig ohne Anbindung zu halten. 

Vorreiter der Haltungskennzeichnung

Anfang Februar 2018 hat Lidl als erster Händler mit dem Lidl-Haltungskompass ein verständliches 4-Stufen-Modell eingeführt, das den Kunden auf einen Blick vermittelt, nach welchen Kriterien das Tier gehalten wurde. Weitere Marktteilnehmer sind diesem Beispiel gefolgt und haben ebenfalls eine sehr ähnliche Haltungskennzeichnung eingeführt. Um den Verbrauchern insgesamt mehr Transparenz und Einheitlichkeit bei der Kennzeichnung anzubieten, haben Lidl und weitere Lebensmitteleinzelhändler im Rahmen des Branchenbündnis „Initiative Tierwohl“ die bestehenden Haltungskennzeichnungen im Markt durch die unternehmensübergreifende „Haltungsform“ vereinheitlicht.

Kein Tierwohllabel

Mit der „Haltungsform“ kennzeichnet Lidl seit April 2019 alle Frischfleischprodukte. Wie zuvor der Lidl-Haltungskompass ist das vierstufige System kein Tierwohllabel, sondern zeigt den Kunden, wie die Tiere gehalten wurden. Die „Haltungsform“ ist gut sichtbar auf der Oberseite jeder Schweine-, Rind-, Puten- und Hähnchenfrischfleischverpackung angebracht. Dadurch werden Kunden unterstützt, eine bewusste Kaufentscheidung für eine tierwohlgerechtere Haltung zu treffen. Gekennzeichnet ist ausschließlich deutsche Rohware und damit alle Frischfleischprodukte der Lidl-Eigenmarke. Temporär verfügbare internationale Spezialitäten sind aktuell von der Kennzeichnung ausgenommen.

Preisgestaltung
Die Preisgestaltung ist unabhängig von der Umstellung auf die Haltungsform. Naturgemäß kosten Bio-Artikel infolge der höheren Produktionskosten mehr als konventionelle Ware. Auch Produkte in der Stufe 3 „Außenklima“, die mehr Platz und Zugang zu frischer Luft in der Tierhaltung erfordert, liegen preislich höher als in den Stufen 1 und 2.

Aus Lidl-Haltungskompass wird Haltungsform

Haltungsform Stufe 1

Stallhaltung

Entspricht den gesetzlichen Bedingungen.

Haltungsform Stufe 2

Stallhaltung Plus

Gewährt Tieren mehr Platz sowie Beschäftigungsmaterial. Das gekennzeichnete Fleisch stammt nachweislich aus Betrieben, die diese Zusatzkriterien erfüllen.

Stufe 3

Außenklima

Gewährt Tieren zusätzlich mehr Platz. Die Tiere werden gentechnikfrei gefüttert und haben Zugang zu Außenklimabereichen.

Stufe 4

Premium

Entspricht den gesetzlichen Bestimmungen für Bio-Fleisch.